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Italienischer Faschismus
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Der Begriff italienischer Faschismus (italienisch Fascismo italiano, Eigenbezeichnung Fascismo, Faschismus) bezeichnet eine 1919 im KĂśnigreich Italien gegrĂźndete rechtsextreme politische Bewegung, deren politische Ideologie sowie deren diktatorische Herrschaftsformen im faschistischen Italien (1925â1943) und der faschistischen Sozialrepublik von Salò (1943â1945). Von 1921 bis 1945 wurden die Faschisten von ihrem âDuceâ (dt. FĂźhrer) Benito Mussolini angefĂźhrt.
Die UrsprĂźnge der faschistischen Bewegung liegen in den am 23. März 1919 gegrĂźndeten Fasci italiani di combattimento (dt. Italienische KampfbĂźnde), die 1921 zum Partito Nazionale Fascista (kurz PNF, dt. Nationale Faschistische Partei) umgewandelt wurden. Nach dem sogenannten Marsch auf Rom 1922 bildeten die Faschisten eine Koalitionsregierung mit Konservativen und Nationalisten mit Mussolini als Ministerpräsidenten. Ab 3. Januar 1925 errichteten die Faschisten in Italien eine Einparteiendiktatur. Die Periode von 1922 bis 1943 wird in Italien als ventennio fascistacite-ref-1[1] (âdie zwei Jahrzehnte des Faschismusâ) oder ventennio nero (âdie zwei schwarzen Jahrzehnteâ) bezeichnet.cite-ref-2[2]
Die imperialistische AuĂenpolitik der Faschisten fĂźhrte zu einer Reihe von militärischen Interventionen Italiens in Afrika (Libyen, Somaliland, Eritrea, Ăthiopien) und auf dem Balkan (Korfu-Zwischenfall, Albanien, Griechenland, Jugoslawien). DarĂźber hinaus unterstĂźtzte das faschistische Italien 1936 bis 1939 militärisch massiv die Nationalisten Francisco Francos im Spanischen BĂźrgerkrieg (Corpo Truppe Volontarie) und beteiligte sich als VerbĂźndeter des Dritten Reiches am Zweiten Weltkrieg (Westfeldzug, Afrikafeldzug, Ostafrikafeldzug, Krieg gegen die Sowjetunion).
Nach dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 reduzierte sich infolge der alliierten Invasion das Einflussgebiet des italienischen Faschismus auf die vom Dritten Reich abhängige faschistische Sozialrepublik (informell auch Republik von Salò), in welcher der Partito Fascista Repubblicano (kurz PFR, dt. Republikanisch-Faschistische Partei) die Einparteiendiktatur fortfßhrte. 1945 endete der Faschismus in Italien mit der Befreiung durch die Alliierten.
Der italienische Faschismus galt als Modell fßr ähnliche Bewegungen, Parteien und Organisationen in verschiedenen Staaten und Regionen Europas, auch fßr den in Deutschland im Jahr 1933 zur Macht gelangten und bis 1945 herrschenden Nationalsozialismus.
Contents
⢠Geschichte
⢠Aufbau
⢠Fßhrerkult
⢠Imperialismus
⢠Judenverfolgung
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Aktuelle Einordnungen und Tendenzen der Forschung
Die Literatur Ăźber den italienischen Faschismus hat eine auĂerordentliche Vielfalt konkurrierender, einander häufig in fundamentalen Fragen widersprechender Deutungen hervorgebracht. Eine allgemein akzeptierte Einordnung des Faschismus auch nur in seiner italienischen Variante gibt es nicht; die Reichweite der einzelnen Hypothesen beschränkt sich durchweg auf bestimmte historiographische Schulen. Der amerikanische Faschismusforscher Stanley G. Payne unterscheidet 13 verschiedene Lesarten, von denen zwĂślf den italienischen Faschismus als Teil einer Gattung politischer Regime und Bewegungen diskutieren, während eine den Faschismusbegriff nur fĂźr Italien gelten lässt.cite-ref-3[3] Die zuletzt genannte Interpretationslinie war international immer eine Randposition, in der deutschsprachigen Forschung aber lange Zeit vorherrschend, wo (auĂerhalb der marxistischen Diskussion) nur wenige Historiker mit einem vergleichenden Faschismusbegriff gearbeitet haben, darunter etwa Wolfgang Schieder. AuĂerdem spielt der italienische Faschismus in verschiedenen politikwissenschaftlichen Modellen â klassisch etwa in den Debatten Ăźber Autoritarismus und Totalitarismus oder in einigen Modernisierungstheorien â eine Rolle, die ihrerseits wieder auf Fragestellungen der Geschichtswissenschaft ausstrahlen. Dabei werden die fĂźr die Politikwissenschaft typischen Merkmalskataloge und Definitionen von einigen Historikern als methodische Grundlage akzeptiert, während andere â insbesondere jene, die den wissenschaftlichen Wert der Totalitarismustheorie bezweifelncite-ref-4[4] â die âbarockenâcite-ref-5[5] Versuche, durch das Addieren formaler oder ideologischer Merkmale zu einer hinreichenden Bestimmung des Faschismus zu gelangen, mit Skepsis betrachten. Zudem wird die wissenschaftliche Debatte â nicht nur in Italien â bis in die jĂźngste Zeit mitunter sehr stark von geschichtspolitischen Ăberlegungen Ăźberformt: So fĂźhren die seit den 1980er Jahren andauernden Versuche konservativer italienischer Historiker und Politologen, den Faschismus âin die akzeptable Nationalgeschichte einzugemeinden oder ihm zumindest eine genauso groĂe (und manchmal grĂśĂere) Legitimität zuzubilligen als der âantifaschistischenâ Republikâ,cite-ref-6[6] notwendig zu anderen Fragestellungen und Folgerungen als das Festhalten an dem Standpunkt, dass der Faschismus ein âzutiefst inhumanes, antidemokratisches und reaktionäres politisches Regimeâcite-ref-referencea-7-0[7] gewesen ist.
Nach dem Abflauen älterer Kontroversen (etwa Ăźber die Frage, ob der Faschismus als âmodernâ oder âantimodernâ einzuordnen istcite-ref-8[8]) hat sich in den letzten Jahrzehnten in erster Linie die grundsätzlich unterschiedliche Bewertung der Selbstzeugnisse des Faschismus als Trennungslinie in der Forschung erwiesen. Diese Auseinandersetzungen wurden durch den sogenannten linguistic turn, der in den 1990er Jahren groĂe Teile der Geschichtswissenschaft erfasste, zugespitzt, haben aber ältere Wurzeln. Im Hintergrund steht dabei die Frage, ob Ideen und Ideologien oder aber gesellschaftliche Verhältnisse bzw. Herrschafts- und Abhängigkeitsstrukturen im Zentrum der Analyse zu stehen haben. In der neueren Literatur zum italienischen Faschismus konkurrieren Ansätze, die die Rhetorik, die ideologischen Dokumente, Rituale und Ăśffentlichen Erklärungen des Regimes â etwa hinsichtlich seines âtotalitärenâ und ârevolutionärenâ Charakters â in den Mittelpunkt des Interesses rĂźcken, mit solchen, die den faschistischen âPropagandastaatâcite-ref-9[9] in eine umfassende politische Sozialgeschichte einbetten und es ablehnen, die âRhetorik des Regimes zu betrachten und von da aus zu SchlĂźssen Ăźber Regime, Volk, Konsens oder was auch immerâcite-ref-referencea-7-1[7] zu kommen.
Die erstgenannte Richtung wurde zuletzt vor allem von Historikern vertreten, die den Faschismus als âpolitische Religionâ auffassen, darunter fĂźhrend von Emilio Gentile und Roger Griffin. Die wesentlichen Beiträge dieser Schule erscheinen seit 2000 in der Zeitschrift Totalitarian Movements and Political Religions (seit 2011 Politics, Religion & Ideology). Obwohl dieser Ansatz von namhaften Historikern abgelehnt wird, haben Griffin und Gentile mehrfach den Anspruch erhoben, einen âneuen Konsensâ der Forschung formuliert zu haben. Sie betrachten den Faschismus als ideologisch angetriebenen, revolutionären âpalingenetischen Ultranationalismusâ und bescheinigen ihm eine zumindest versuchte âanthropologische Revolutionâ.cite-ref-10[10] Diese Historiker sehen in dem vom faschistischen Regime beschworenen âTotalitarismusâ keine rhetorische Fiktion, sondern eine zumindest partielle Wirklichkeit eigenen Rechts. Zu vergleichbaren Ergebnissen fĂźr den Bereich der âfaschistischen Kulturâ kommen die Arbeiten, die sich seit den 90er Jahren aus Ansätzen der cultural studies entwickelt haben, ohne jedoch immer direkt an die Ăberlegungen zu den politischen Religionen anzuschlieĂen.
Methodik und Ergebnisse der Griffin/Gentile-Schule sowie der poststrukturalistischen âDiskursanalyseâ wurden von Vertretern einer politischen Sozialgeschichte des italienischen Faschismus wiederholt kritisiert. Hierbei hat sich insbesondere der australische Historiker Richard Bosworth profiliert, der mehrere maĂgebliche Arbeiten zum italienischen Faschismus vorgelegt und 1998 erstmals auf die âseltsame Allianzâcite-ref-11[11] zwischen der konservativen, selbstbewusst âanti-antifaschistischenâ italienischen Historikergruppe um Renzo De Felice und Emilio Gentile und ideengeschichtlich arbeitenden Faschismusforschern poststrukturalistischer Provenienz hingewiesen hat. Im Zentrum von Bosworths Kritik stand wiederholt die weitgehende Akzeptanz und âwĂśrtlicheâcite-ref-12[12] Auslegung der ideologischen, in sich selber zutiefst widersprĂźchlichen Selbstzeugnisse des Faschismus, durch die, so Bosworth, diese Historiker im Extremfall ânur leichtgläubig das berichten, was der Faschismus verlautbarte, statt kritisch zu untersuchen, was das wirklich bedeutete.âcite-ref-italian-dictatorship-27-13-0[13] Bosworth konstatiert vor dem Hintergrund seiner eigenen Forschungen dagegen einen âgähnenden Abgrund zwischen dem, was nach faschistischer Lesart zählte, und dem, worauf es wirklich ankam.âcite-ref-italian-dictatorship-27-13-1[13] Er kritisiert die âkulturalistischenâ Ansätze nicht zuletzt als bewussten Versuch, den sozialen und politischen Inhalt des Faschismus auszublenden:
âEine andere Implikation dieser âkulturalistischenâ Annäherung an Mussolinis Regime war, dass der Faschismus am besten als klassenĂźbergreifendes Phänomen zu verstehen sei. Faschistische Kultur, Faschismus als âpolitische Religionâ â das war die Quadratur des Kreises gegen die traditionellen marxistischen Behauptungen, dass der Faschismus eine Klassenrealität und ein Klasseninteresse repräsentierte, und dass, in Horkheimers berĂźhmten Worten, der, der âvom Kapitalismus nicht reden will, vom Faschismus schweigen sollâ.âcite-ref-14[14]
John F. Pollard, der zum Verhältnis des faschistischen Regimes zur Kirche geforscht hat, betonte 2005 gegen Griffin/Gentile den instrumentellen Charakter gerade der âreligiĂśsenâ Aspekte des Regimes:
âWenn der italienische Faschismus die äuĂeren Zeichen der Religion anlegte â Credo, Litaneien, Gebote und Rituale â, dann nicht, um eine säkulare LĂźcke in der italienischen Gesellschaft zu fĂźllen, sondern weil derlei die Bewegung und das Regime verständlicher und akzeptabler fĂźr den durchschnittlichen Italiener machte, der von einer lebendigen und dynamischen katholischen Kultur umgeben war.âcite-ref-15[15]
Der Historiker Kevin Passmore hat die methodischen Grundannahmen der Theorie der âpolitischen Religionâ mit Blick auf die Faschismusforschung problematisiert und diese dabei in die Nähe reaktionärer Denktraditionen gerĂźckt:
âSo behauptet Burleigh, dass die Massen widerwilliger als die Eliten âapokalyptische revolutionäre Illusionenâ aufgeben wĂźrden und dass die âUngebildetenâ anfällig fĂźr die Manipulation durch Gegeneliten seien. Mit anderen Worten: Die Theoretiker der politischen Religion definieren ihre eigene Rationalität im Gegensatz zur Unvernunft der Massen und nehmen wirklich an, dass die Massen empfänglich sind fĂźr Manipulationen. Das Argument, dass politische Religionen funktionieren, weil sie ein BedĂźrfnis der Massen bedienen, kann seine Ableitung aus der [von Gustave Le Bon formulierten und unter anderem von Mussolini aufgegriffenen] Vorstellung einer manipulativen Elite und einer manipulierbaren Masse kaum verbergen. (âŚ) Aber natĂźrlich ist die Theorie der politischen Religionen nicht protofaschistisch. Wie ihr Vorgänger, die Totalitarismustheorie, hat sie Autoren verschiedener politischer Glaubensrichtungen angezogen, und Theorien mĂźssen nach ihren Verdiensten beurteilt werden.âcite-ref-16[16]
Keine dieser Debatten kann als abgeschlossen gelten. Mithin stehen sich auf zahlreichen wichtigen Forschungsfeldern kontroverse Positionen gegenĂźber. So gibt es Autoren, die die AuĂenpolitik des Regimes beinahe ausschlieĂlich aus dem ideologisch determinierten âWillenâ Mussolinis ableiten, und andere, die von einem seit dem Risorgimento tradierten ideologischen, sozialen und politischen Rahmen italienischer GroĂmachtpolitik ausgehen, aus dem auch die von maĂgeblichen Teilen der Eliten mitgetragene faschistische AuĂenpolitik nicht ausgebrochen sei. Auch Ăźber die Rolle und Bedeutung Mussolinis, beispielsweise bei der Genese der faschistischen Bewegung, besteht keine Einigkeit. A. James Gregor etwa hat die Bedeutung einer seiner Ansicht nach konsistenten faschistischen Ideologie hervorgehoben und bereits den jungen Mussolini als innovativen Denker sui generis beschrieben.cite-ref-17[17] DemgegenĂźber hat Richard Bosworth darauf hingewiesen, dass beinahe alle fĂźhrenden Faschisten den Weg zum Faschismus gefunden haben, bevor sie eine erkennbare ideologische oder persĂśnliche Beziehung zu Mussolini hatten. Bei Mussolini nach intellektueller SchlĂźssigkeit zu suchen, sei ein âtĂśrichtes Unternehmenâ;cite-ref-bosworth-mussolini-s-111-18-0[18] die politischen und ideologischen Entwicklungen, die in den Faschismus fĂźhrten, kommen fĂźr Bosworth spätestens während des Ersten Weltkrieges zum Durchbruch: âSie brauchten nicht Mussolini, um erfunden zu werden.âcite-ref-19[19]
Geschichte
Politischer, sozialer und ideologischer Hintergrund
Strukturprobleme des liberalen Staates
Die Annexion des Kirchenstaates schloss 1870 die Bildung des italienischen Nationalstaates ab (vgl. Risorgimento). Dieser Staat wurde von einer schmalen Schicht (classe politica) gefĂźhrt, die sich aus dem Besitz- und BildungsbĂźrgertum und den liberalen Teilen der alten Aristokratie (classe dirigente) rekrutierte. Das liberale Italien, das vor dem Hintergrund der faschistischen Erfahrung häufig unzutreffend als Demokratie bezeichnet wird,cite-ref-20[20] bildete ein politisches System aus, das weitaus weniger anpassungsfähig war als das britische oder franzĂśsische; es verkĂśrperte einen âautoritärenâ oder âoligarchischenâ Liberalismus, der vor der Wahlrechtsreform von 1912 nur rund 7 % der BevĂślkerung das Wahlrecht einräumte. Der Monarch besaĂ die direkte Kontrolle Ăźber das Militär, einen bedeutenden Einfluss auf die AuĂenpolitik und ernannte persĂśnlich den Regierungschef sowie die Mitglieder des Senats. Obwohl es in der gewählten Abgeordnetenkammer eine aus der risorgimentalen Phase Ăźberkommene âRechteâ und âLinkeâ gab, betrachteten sich bis zum Ersten Weltkrieg die weitaus meisten Abgeordneten als Liberale. Viele von ihnen waren in Patronage- und Klientelnetzwerke der jeweiligen Heimatorte eingebunden, als deren Interessenvertreter in Rom sie vorrangig agierten. Wiederholte Ăbergänge vom einen in das andere Lager, âlinkeâ Mitglieder in ârechtenâ Regierungen (und umgekehrt) waren in diesem abwertend trasformismo genannten System der Organisation von Mehrheiten an der Tagesordnung; ein BedĂźrfnis zur Organisation politischer Parteien bestand aufgrund der sozialen Homogenität und ideologischen Flexibilität der politischen Klasse nicht. Der Ausschluss der besitzlosen und âungebildetenâ BevĂślkerungsmehrheit aus dem politischen Prozess war die Voraussetzung fĂźr das Funktionieren dieses Systems.cite-ref-21[21] Die daraus resultierenden Legitimitäts- und Stabilitätsprobleme beschäftigten kontinuierlich die politischen Eliten:
âWenn es eine inhärente âKrise des liberalen Staatesâ gab, dann bestand sie darin: dem sich mit dem Wachstum des Sozialismus in den 1890er Jahren verschärfenden Problem, aus dem Volk hervorgegangene Kräfte in die politischen und parlamentarischen Prozesse der Nation zu integrieren.âcite-ref-22[22]
Da Papst Pius IX. 1874 allen Katholiken die Teilnahme an nationalen Wahlen verboten hatte und die Kirche konsequent Distanz zu dem liberalen âRäuberstaatâ hielt, schied die wichtigste konservative Institution des Landes als Garant des Status quo aus. Unter den Ministerpräsidenten Francesco Crispi, Antonio Starabba di RudinĂŹ und Luigi Pelloux â dessen Ministerpräsidentschaft schlieĂlich ZĂźge einer Diktatur trug â scheiterte zwischen 1893 und 1900 der Versuch, diese Fragen einer rein autoritär-repressiven LĂśsung zuzufĂźhren. Crispi versuchte erstmals, die rigorose UnterdrĂźckung sozialistischer und republikanischer Organisationen (Einsatz von 50.000 Soldaten gegen Unruhen sizilianischer Landarbeiter und Bauern 1893/94 (Fasci siciliani), Verbot der sozialistischen Partei 1894â1896) mit nationalistischer Rhetorik und kolonialer Expansion (vgl. Italienisch-Ăthiopischer Krieg) zu verbinden. Die Wahlniederlage der âhistorischen Rechtenâ (Destra storica) im Juni 1900 machte den Weg frei fĂźr die von Giovanni Giolitti (zwischen 1903 und 1914 mehrfach Ministerpräsident) repräsentierte liberale StrĂśmung, die bereit war, den trasformismo auch auf Katholiken, Republikaner und reformistische Sozialisten auszudehnen. Giolitti gelang es, Teile der auf nationaler Ebene bis dahin passiven katholischen Wählerschaft in antisozialistische Wahlallianzen einzubinden und auch die offiziell intransigente Haltung der Kirche gegenĂźber dem liberalen Staat aufzuweichen (vgl. Gentiloni-Pakt). Gleichzeitig versuchte er, den rechten FlĂźgel der Sozialisten gegen die revolutionäre Linke zu stärken. Er initiierte eine begrenzte Sozialgesetzgebung, lockerte den Wahlzensus wesentlich (bei der Parlamentswahl im Herbst 1913 hatten 65 % der erwachsenen männlichen BevĂślkerung das Wahlrecht) und trat als betont âneutralerâ Vermittler bei Arbeitskonflikten auf. Die Formierung von Industriellen- und GroĂgrundbesitzerorganisationen (1910 GrĂźndung der Confindustria), die eine aggressive Linie gegenĂźber den Gewerkschaften und allen anderen âSubversivenâ einforderten, stellte den erweiterten trasformismo seit 1910/11 jedoch zunehmend infrage.cite-ref-23[23] Er scheiterte endgĂźltig, als 1912 die revolutionären Kräfte die Kontrolle Ăźber den PSI Ăźbernahmen und der grĂśĂte Teil der reformistischen FĂźhrungsgruppe aus der Partei ausgeschlossen wurde.cite-ref-24[24]
Die Krise des politischen Systems im Ersten Weltkrieg
Mit Antonio Salandra Ăźbernahmen im FrĂźhjahr 1914 die politischen Erben der âhistorischen Rechtenâ die Regierung. Salandras Ziel war es, die sozialistische Linke dauerhaft zu isolieren, den liberalen Block auf einer konservativen Linie zu konsolidieren und nach rechts zu erweitern. Der Eintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg, den Salandra zusammen mit seinem AuĂenminister Sidney Sonnino 1914/15 maĂgeblich vorantrieb, war in den Augen der liberalen Rechten stärker noch als äuĂeren Expansionszielen dem KalkĂźl einer autoritären Reorganisation der italienischen Innenpolitik untergeordnet.
In der Kampagne fĂźr die Intervention fanden sich erstmals die politischen StrĂśmungen zusammen, die in der Nachkriegskrise die faschistische Bewegung trugen: konservative Liberale und Nationalisten, nationalistische Syndikalisten (die im Herbst 1914 die ersten nationalistischen fasci organisierten), Republikaner und einige ehemalige Sozialisten (unter ihnen der im November 1914 aus der sozialistischen Partei ausgeschlossene Benito Mussolini).cite-ref-25[25] Zusammen repräsentierten diese Gruppen nur einen kleinen â wenn auch publizistisch deutlich Ăźberrepräsentierten â Teil der italienischen Gesellschaft, der zum Zeitpunkt des Kriegseintritts auch in der Abgeordnetenkammer keine echte Mehrheit fand. Das Land begann den Krieg daher tief gespalten und fĂźhrte ihn in einer âAtmosphäre des BĂźrgerkriegesâ.cite-ref-26[26] Statt die gesellschaftlichen Spannungen im Zeichen einer ânationalenâ Anstrengung zu verdecken oder abzuschwächen, spitzte der Krieg sie weiter zu.
Die sozialistische Partei, deren Einfluss auf die städtische Arbeiterklasse kontinuierlich wuchs, hielt ihre Antikriegslinie (unter der allerdings zweideutigen Parole âweder unterstĂźtzen noch sabotierenâ) auch nach 1915 durch und gab sich im September 1918 ein radikales neues Programm. Die 5,7 Millionen Soldaten, die Italien bis 1918 mobilisierte, waren Ăźberproportional häufig Bauern und Landarbeiter, von denen viele zum ersten Mal ihre paesi verlieĂen. Unter ihnen war der Kriegsdienst fĂźr einen als fremd und feindlich erlebten Staat zutiefst unpopulär; die Regierung sah sich gezwungen, ihnen nach dem Beinahe-Zusammenbruch der Front im Herbst 1917 (vgl. 12. Isonzoschlacht) groĂzĂźgige Landzuteilungen nach dem Krieg zu versprechen. Auch auf der politischen Rechten wuchs in den Kriegsjahren die Unzufriedenheit mit der politischen Klasse und dem parlamentarischen System, das in ihren Augen bei der Organisation der Kriegsanstrengungen und der Bekämpfung der âSubversivenâ und âVerräterâ versagte. Ein im Herbst 1917 unter dem Patronat Salandras gebildeter Fascio parlamentare di difesa nazionale trug diese Stimmen, die eine autoritäre LĂśsung der inneren Krise forderten und zu denen auch Mussolini mit seiner Zeitung Il Popolo dâItalia gehĂśrte, in das Parlament.
Der italienische Radikalnationalismus
Die grundlegenden Argumente des rechten Antiparlamentarismus waren bereits vor dem Ersten Weltkrieg von Intellektuellen formuliert worden, die sich zuerst 1903 im Umfeld der Zeitschrift Il Regno zusammengefunden und 1910 die Associazione Nazionalista Italiana (ANI) gegrĂźndet hatten. FĂźr Nationalisten wie Enrico Corradini, Alfredo Rocco und Luigi Federzoni war die Konstruktion des italienischen Nationalstaates â von ihnen als Italietta (âkleines Italienâ) verhĂśhnt â zutiefst mangelhaft. Die erste Voraussetzung einer äuĂeren Machtpolitik Italiens war in ihren Augen die ZerstĂśrung der sozialistischen Bewegung und jeder anderen âSubversionâ. Den erweiterten trasformismo der Ăra Giolitti betrachteten sie als Kapitulation vor der Linken, die das Land endgĂźltig in die zweite Reihe der europäischen Mächte verwies; die Lockerung des Wahlzensus von 1912 ebnete fĂźr sie â womit sie ein Argument des klassischen Liberalismus wiederholtencite-ref-27[27] â dem Triumph der âMengeâ Ăźber die âBestenâ den Weg.cite-ref-28[28] Sie propagierten ein Ende oder zumindest eine Einhegung des Klassenkampfes in einer durch den Staat autoritär geeinten Nation, in der âjedes Individuum als Zahnrad, Getriebe oder Niete der Lokomotive arbeitete, die das Vaterland war.âcite-ref-29[29] Dieser neue Nationalismus lĂśste sich vor allem durch seinen aggressiv artikulierten Antiparlamentarismus vom liberalen, im 19. Jahrhundert tradierten Nationalismus ab und trat als eigenständige Kraft auf, die selbstbewusst die Ersetzung der alten politischen Klasse durch âneue Männerâ einforderte. Trotz ihres antiparlamentarischen Elitismus versuchte die ANI von Anfang an gezielt, sich in Einflusspositionen des politischen Systems zu etablieren.cite-ref-30[30] Die sechs Sitze in der Abgeordnetenkammer, die sie bei der Wahl im Jahr 1913 erhielt, spiegelten das bereits erreichte MaĂ ihres Einflusses nur sehr unvollständig.cite-ref-31[31] Zwischen 1915 und 1918 begann die nationalistische Ideologie, die Selbstverständigung der italienischen Eliten zu dominieren, wobei neben dem Krieg auch ein Generationenwechsel eine wesentliche Rolle spielte.cite-ref-32[32]
Charakteristisch fĂźr die ANI war die Verwendung von Begriffen, die sie von politischen Gegnern Ăźbernommen und spezifisch umgeprägt hatte (âproletarische Nationâ, Konzeption eines ânationalen Syndikalismusâ bei Corradini, Mario Viana, Tommaso Monicelli u. a., âProduktivismusâ usw.).cite-ref-33[33] Auf dieser Ebene trat sie weniger aristokratisch auf als der Seitenstrang des italienischen Nationalismus, der seine Positionen in Zeitschriften wie Lacerba und La Voce (mit deren Herausgeber, Giuseppe Prezzolini, Mussolini seit 1909 korrespondierte) formulierte. Diese Gruppen verband mit der ANI jedoch ein zentrales Motiv: der intensive Wille zur âModernisierungâ bei gleichzeitiger Verachtung und ZurĂźckweisung der âMassengesellschaftâ.cite-ref-34[34]
Es besteht heute ein weitgehender Konsens darĂźber, dass sich der Hauptstrang der offiziĂśsen Ideologie des faschistischen Regimes aus dem geistigen Fundus speiste, der vor dem Ersten Weltkrieg von der âprotofaschistischenâ ANI â fĂźr die sich die Forschung erst in den 1970er Jahren zu interessieren begann â bzw. in deren Umfeld entwickelt worden war.cite-ref-35[35]
âEs ist geradezu verblĂźffend, wie der Nationalismus in dieser frĂźhen Phase bereits alle Themen entworfen und aufgezeigt hat, in deren Variationen man später die Originalität Mussolinis hat sehen wollen. In der Phase von 1914 bis 1919 tut Mussolini nichts anderes, als die hier entwickelten Ansätze neu fĂźr sich zu entdecken, wobei man Ăhnlichkeiten bis in den Wortlaut hinein feststellen kann.âcite-ref-36[36]
Allerdings wird äuĂerst kontrovers darĂźber diskutiert, welche praktische Bedeutung dieser Ideologie bei der Aktivierung der faschistischen Bewegung (und schlieĂlich im Regime selbst) zukam. Reduktionistische und personalistische Ansätze, die die faschistische Ideologie aus der geistigen Entwicklung einer einzelnen Person â Mussolinis â ableiten, werden in der wissenschaftlichen Literatur kaum mehr vertreten. Ăhnliches gilt fĂźr Positionen, die das in der Vorkriegszeit entstandene und während des Krieges multiplizierte faschistische Potential auf Italien reduzieren, wie der britische Historiker Kevin Passmore hervorhebt:
âDer Faschismus war nicht das Produkt spezifisch nationaler Traditionen. (âŚ) Wenn sich der Faschismus zuerst in Italien kristallisierte, dann deshalb, weil es die Umstände erlaubten, und nicht, weil er ideologisch prädestiniert war, dies zu tun (âŚ). 1914 gab es in einigen europäischen Ländern protofaschistische Tendenzen. Sie wurden durch den Krieg radikalisiert und brutalisiert und setzten sich danach in der Sprache oder Realität des BĂźrgerkrieges fort. In keinem Land wurde jeder brutalisiert. Es ist die Aufgabe der Historiker, zu erklären, warum die Brutalisierten in einigen Ländern an die Macht kamen, in anderen aber nicht.âcite-ref-37[37]
Die Anfänge des Faschismus in der Nachkriegszeit
Der FrĂźhfaschismus als Teil der nationalistischen Mobilisierung
Unmittelbar nach dem Ende des Krieges zerfiel das heterogene Lager der Interventionisten im Streit. âDemokratischeâ Interventionisten wie Leonida Bissolati, die Annexionen jenseits der italienischen Sprachgrenze ablehnten, wurden von der nationalistischen Rechten nun als rinunciatari (âVerzichtendeâ) ebenso heftig angegriffen wie die sozialistischen âDrĂźckebergerâ (imboscati). Als sich nach der ErĂśffnung der Pariser Friedenskonferenz abzeichnete, dass die italienischen Maximalforderungen (Ăźber das 1915 im Londoner Vertrag Zugesicherte hinaus ganz Dalmatien, Fiume und die Innerkrain) gegen den Willen GroĂbritanniens, Frankreichs und der Vereinigten Staaten nicht durchsetzbar waren, verlieĂen Vittorio Emanuele Orlando und Sonnino am 24. April 1919 demonstrativ Paris. Daraufhin nahm die nationalistische Agitation gegen den âverstĂźmmelten Siegâ (vittoria mutilata) hysterische ZĂźge an. Sie richtete sich â mit der beifälligen âSympathie des grĂśĂten Teils der bĂźrgerlichen Ăśffentlichen Meinungâcite-ref-38[38] â schlieĂlich auch gegen die Regierung des neuen linksliberalen Ministerpräsidenten Francesco Saverio Nitti. Diese hatte am 28. Juni 1919 den Friedensvertrag mit Deutschland und am 10. September 1919 jenen mit Ăsterreich unterzeichnet. Zwei Tage später besetzten zweitausend nationalistische Freischärler â wohlwollend toleriert von den KommandobehĂśrden der italienischen Armee in Istrien und Dalmatien â unter FĂźhrung des Dichters Gabriele DâAnnunzio Fiume (siehe Italienische Regentschaft am Quarnero). Dass Nitti es nicht wagte, der Armee die Räumung Fiumes zu befehlen, sondern vor den Augen der italienischen und europäischen Ăffentlichkeit Ăźber Monate hinweg mit meuternden Offizieren und einem âselbstverliebten Poseurâcite-ref-39[39] wie DâAnnunzio verhandelte, verdeutlichte schlagartig die Stärke der nationalistischen Rechten.
Die nationalistische Polemik in der Fiume-Krise hatte allerdings nicht nur eine auĂenpolitische, sondern auch eine innenpolitische Seite. Sie richtete sich gegen die Vertreter der politisch âerwachtenâ Unterschichten und damit gegen jene Kräfte, die nach dem Krieg eine fundamentale politische und soziale Veränderung Italiens anstrebten. Den diciannovismo (sinngemäà etwa âGeist von (19)19â), der sich in Streiks und Demonstrationen, Land- und Fabrikbesetzungen, einem rasanten Wachstum der sozialistischen Partei und der Gewerkschaften und allgemein in einer bis dahin unbekannten UnbotmäĂigkeit gegenĂźber traditionellen Autoritäten äuĂerte, empfanden die liberalen Eliten als elementare Bedrohung. Eine bĂźrgerliche Statuskrise verschärfte diese Verunsicherung: Schon vor dem Krieg war der italienische Arbeitsmarkt nicht in der Lage gewesen, die Absolventen von Universitäten und hĂśheren Schulen aufzunehmen, und nun suchten zusätzlich tausende demobilisierte Offiziere nach einer âstandesgemäĂenâ Beschäftigung.cite-ref-40[40] FĂźr DâAnnunzio und seine FĂśrderer war der nationalistische Taumel um Fiume vor diesem Hintergrund kein Selbstzweck, sondern Teil einer âsorgfältig gelegten Pulverspurâ.cite-ref-41[41] Die âExplosionâ sollte den âDemokratenâ Nitti zu Fall bringen: Dieser hatte im August 1919 das Verhältniswahlrecht eingefĂźhrt, die italienischen Interventionstruppen aus Sowjetrussland abgezogen, machte offenbar mit der während des Krieges versprochenen Bodenreform Ernst und wollte die im Sommer 1919 immer noch 1,5 Millionen Mann starke Armee rasch und weitgehend demobilisieren. Auch Nitti verstand DâAnnunzios Aktion als AufkĂźndigung der Ăźblichen Verkehrsformen liberaler Politik durch maĂgebliche Teile des BĂźrgertums:
âItalien ist auf dem Weg, zu einem groĂen Nicaragua zu werden. Und das aufgrund des Willens und der Tätigkeit jener Klassen, die den Anspruch erheben, das Sagen zu haben. Diese blĂśde und idiotische Bourgeoisie hat nicht den geringsten Sinn fĂźr die tĂśdliche Gefahr, in der wir alle schweben, und arbeitet frĂśhlich daran, die Katastrophe zu beschleunigen.âcite-ref-42[42]
Die radikale Rechte war 1919 noch zu fragmentiert, um die Politik in Rom zu diktieren. Auch die Reste der interventionistischen fasci, die sich am 23. März 1919 auf Anregung Benito Mussolinis in Mailand als Fasci italiani di combattimento konstituiert hatten, erlangten zunächst keine besondere Bedeutung. Ihre im FrĂźhjahr und Sommer 1919 entwickelte Programmatik war kein Ausdruck einer ausgereiften Ideologie, sondern von âKonfusion und Opportunismusâcite-ref-bosworth-mussolini-s-111-18-1[18] â die Mischung aus Antisozialismus, Reformforderungen und diffuser revolutionärer Rhetorik unterschied die Faschisten zwar marginal von der prononciert konservativen ANI, war aber nicht innovativ. Wenn es auch zu Beginn kein klares Programm gab, wofĂźr die Fasci exakt stritten, so waren sich ihre GrĂźnder umso stärker klar, wogegen sie waren. Nämlich sowohl gegen Wilson als auch Lenin, da deren jeweilige Anhänger den italienischen Sieg im Krieg âverstĂźmmeltâ hätten.cite-ref-43[43] Die Organisation zog bis zum Ende des Jahres 1919 nur knapp 900 organisierte Anhänger an, meist ehemalige Offiziere der Arditi, Futuristen, Studenten und Vertreter verschiedener Spielarten des âlinkenâ Interventionismus. Diese Gruppen waren weder sozial noch politisch repräsentativ fĂźr die heimkehrenden Kriegsteilnehmer (combattenti), als deren Sprecher die fasci sich erfolglos zu inszenieren versuchten. Mussolini, der ehrgeizige Stichwortgeber der Organisation, sah noch bis weit in das Jahr 1920 in seiner Zeitung Il Popolo dâItalia und nicht in den zunächst stagnierenden fasci das Vehikel seines persĂśnlichen Aufstiegs. Mindestens bis zum Herbst 1919 identifizierte die italienische Ăffentlichkeit die Begriffe fascio (dt. in der wĂśrtlichen Bedeutung âBundâ bzw. âBĂźndelâ), fascismo und fascisti allenfalls allgemein mit dem âpatriotischenâ Spektrum (im weitesten Sinne mit dem auĂerparlamentarischen Anhang des Fascio parlamentare di difesa nazionale von 1917/18), aber noch nicht mit einer bestimmten politischen Organisation, einem spezifischen Inhalt oder Politikstil.cite-ref-44[44]
Ein besonderes Merkmal der Faschisten war von Anfang an, dass sie den Antisozialismus nicht nur rhetorisch vertraten, sondern â wie in Ansätzen schon während der interventionistischen Kampagne 1914/15 â handgreiflich und seit dem FrĂźhjahr 1920 systematisch und militärähnlich organisiert auf die StraĂe trugen.cite-ref-referenceb-45-0[45] Mitglieder des Mailänder fascio griffen bereits am 15. April 1919 eine sozialistische Demonstration an und verwĂźsteten anschlieĂend Redaktion und Druckerei des sozialistischen Zentralorgans Avanti!. Seine politischen FĂźhrer Mussolini, Cesare Rossi, Giovanni Marinelli, Michele Bianchi und Umberto Pasella lieĂen die ursprĂźnglich vorhandenen antiklerikalen und republikanischen Bestandteile des faschistischen Programms bis zum FrĂźhjahr 1920 fallen, da, so Mussolini, der Kampf gegen die Kirche und fĂźr die Republik zur Demokratie und diese zwangsläufig zum Kommunismus fĂźhren wĂźrde;cite-ref-46[46] viele ehemalige âLinksinterventionistenâ schieden in dieser Phase aus der Organisation aus. Ăbrig blieb zunächst vor allem der programmatische Antisozialismus,cite-ref-47[47] als dessen entschiedensten und kenntnisreichsten Vertreter sich Mussolini in seiner Zeitung unermĂźdlich herausstellte:
âIch halte das Versprechen, das ich an jenem stĂźrmischen Abend gab, an dem ich ausgeschlossen wurde, aufrecht: Ich sagte, dass ich unerbittlich sein wĂźrde, und in fĂźnf Jahren habe ich der sogenannten italienischen, sogenannten sozialistischen Partei nicht einen Augenblick der Ruhe gegĂśnnt.âcite-ref-48[48]
Zusammenbruch der liberalen Hegemonie
Die Parlamentswahl vom 16. November 1919, bei der erstmals alle erwachsenen Männer abstimmen konnten und das neue Verhältniswahlrecht galt, beseitigte mit einem Schlag die seit der StaatsgrĂźndung nie angefochtene liberale Mehrheit in der Abgeordnetenkammer.cite-ref-49[49] Die beiden âmodernenâ Massenparteien â der PSI und der erst im Januar 1919 gegrĂźndete katholische PPI â kamen zusammen auf 256 Ăźberwiegend in Nord- und Mittelitalien gewonnene Mandate, die verschiedenen liberalen Gruppen zusammen nur noch auf (je nach Zählung) 220 bzw. 252. Lediglich im SĂźden und auf den Inseln hatte die liberale Klientelpolitik, mit der Wahlen bislang âgemachtâ worden waren, noch funktioniert. Dieses Parlament, dessen Zusammensetzung die Wahl vom 5. Mai 1921 im Kern bestätigte, war in mehrfacher Hinsicht paralysiert. Eine Zusammenarbeit der Katholiken mit dem von den âMaximalistenâ gefĂźhrten PSI war ausgeschlossen, und die schlieĂlich versuchte Kooperation der Giolittianer mit dem PPI schwierig, da die dort zunächst tonangebende StrĂśmung um Luigi Sturzo ein durchaus ambitioniertes, auch nach dem Geschmack Giolittis â der im Juni 1920 an die Spitze der Regierung zurĂźckkehrte â entschieden zu âdemokratischesâ Reformprogramm vertrat.
Die Wahl zeigte auch, dass die liberale, konservative und radikale Rechte unter den Bedingungen des allgemeinen und gleichen (Männer-)Wahlrechts keine im nationalen MaĂstab ins Gewicht fallende Wählerbasis besaĂ. In Mailand hatte die faschistische Liste, auf der neben Mussolini auch der Schriftsteller Filippo Tommaso Marinetti und der Dirigent Arturo Toscanini angetreten waren, lediglich 1,7 % der Stimmen erhalten. Die von einer negativen Mehrheit aus âSubversivenâ und âNeutralistenâ beherrschte Abgeordnetenkammer, bei deren ErĂśffnung die sozialistischen Abgeordneten in den StraĂen Roms von Faschisten und Nationalisten angegriffen wurden, befeuerte den rechten Antiparlamentarismus und vermehrte in den folgenden Monaten stetig die Zahl der Liberalen, die bereit waren, eine Diktatur zu akzeptieren.cite-ref-50[50]
Diese Rechtsentwicklung speiste sich im Kern allerdings nicht aus der âFurchtâ vor einer âitalienischen Oktoberrevolutionâ (weder Giolitti noch Mussolini rechneten im Ernst damit, dass die FĂźhrung des PSI einen Aufstandsversuch unternehmen wĂźrde), sondern aus einer das gesamte BĂźrgertum erfassenden Abwehrbewegung gegen den im Spätsommer und Herbst 1920 kulminierenden, unkontrollierten Einbruch der âMassenâ in politische und soziale Räume, die bisher Reservat der Eliten gewesen waren. In der Abgeordnetenkammer, bis zum November 1919 ein âvergrĂśĂerter liberaler Ortsvereinâ,cite-ref-51[51] stellten nun die âSubversivenâ die stärkste Fraktion. Viele Industrielle sahen in den auf dem Verhandlungsweg beendeten Fabrikbesetzungen in der Metallindustrie im September 1920 eine nicht mehr akzeptable Einschränkung der freien VerfĂźgung Ăźber das Privateigentum. Ăhnliches galt fĂźr zahlreiche GroĂgrundbesitzer, als die Landarbeitergewerkschaft Federterra im Oktober 1920 nach einem sechsmonatigen Streik einen Tarifvertrag durchsetzte, der ihr in einigen Provinzen Norditaliens die Kontrolle Ăźber den Arbeitsmarkt sicherte; viele Agrarier waren nun zur âSelbsthilfeâ entschlossen. Bei den Kommunalwahlen im November 1920, dem HĂśhepunkt der âzwei roten Jahreâ (biennio rosso), gewannen die Sozialisten die Mehrheit in 2.162 Stadt- und Gemeinderäten, darunter in groĂen Städten wie Bologna und Livorno. Dieser Wahlerfolg war in vielerlei Hinsicht noch folgenreicher als jener bei der Parlamentswahl des Vorjahres; er verschaffte dem PSI erstmals eine fĂźr die traditionellen Herrschaftsbeziehungen in den Gemeinden bedrohliche, âwirkliche Machtâ.cite-ref-52[52] Das zeitliche Zusammentreffen der ErschĂźtterung der liberalen Hegemonie in den Gemeinden und des Durchbruchs des Faschismus zur Massenbewegung kann, so der Historiker Philip Morgan, in seiner Signifikanz âschwerlich Ăźberschätzt werden.âcite-ref-53[53] Gegen die kommunalen Machtpositionen des PSI richtete sich der erste massive Schlag der Faschisten, die im Herbst 1920 allgemein âmit der bewaffneten terroristischen Reaktion gegen die sozialistische Partei und die Gewerkschaften identifiziert wurden.âcite-ref-54[54]
Der squadrismo
Bereits 1919 hatten einzelne fasci â teils spontan, teils angeregt vom Sekretär der Organisation, Umberto Pasella â begonnen, bewaffnete squadre aufzustellen. Dies stand offenbar im Zusammenhang mit den Planungen fĂźr einen nationalistischen Putsch während der Fiume-Krise.cite-ref-referenceb-45-1[45] 1920 sandte Mussolini Francesco Giunta nach Triest, um dort einen fascio aufzubauen. Squadre der Triestiner Faschisten unternahmen im FrĂźhjahr und Sommer 1920 erstmals im groĂen Stil so genannte âStrafexpeditionenâ (spedizioni punitive), die sich gegen Sozialisten, Gewerkschafter und die slowenische Minderheit richteten und die gesamte Grenzregion Venezia Giulia erfassten. Dort wurde der Antisozialismus durch Nationalitätenkonflikte akzentuiert und brutalisiert, so dass sich der Faschismus noch vor seinem Durchbruch im Ăźbrigen Italien zu einer Massenbewegung mit mehreren tausend organisierten Anhängern entwickelte.
Nachdem bewaffnete Faschisten einen aufsehenerregenden Ăberfall auf die konstituierende Sitzung des sozialistischen Stadtrates im ârotenâ Bologna durchgefĂźhrt hatten (21. November 1920), dehnte sich der squadrismo rasch aus â zunächst in der Emilia, der Romagna, in Umbrien, den Marken und der Toskana und bis zum FrĂźhjahr 1921 auf groĂe Teile Nord- und Mittelitaliens aus. Im SĂźden war der Faschismus vor 1922 nur in Apulien von Bedeutung. Die Mitgliederzahl der fasci vervielfachte sich von rund 20.000 Ende 1920 auf fast 250.000 ein Jahr später. Die militärisch organisierten âStrafexpeditionenâ, an denen mitunter mehrere tausend Faschisten beteiligt waren, folgten einem rasch ritualisierten Drehbuch. Die betroffene Gemeinde wurde zunächst umzingelt, die piazza besetzt. BĂźros und Versammlungslokale der sozialistischen Partei, der Genossenschaften und der Gewerkschaften wurden verwĂźstet oder in Brand gesteckt. FĂźhrende âRoteâ wurden mit dem Schlagstock (manganello) verprĂźgelt, und um sie zusätzlich zu demĂźtigen, wurde ihnen häufig noch das abfĂźhrend wirkende RizinusĂśl eingeflĂśĂt. Sozialistische BĂźrgermeister und Gemeinderäte wurden fĂźr âabgesetztâ erklärt, rote Fahnen heruntergerissen und durch die tricolore ersetzt. Vor allem in den ländlichen Gebieten zerstĂśrten die Faschisten auf diese Weise oft binnen weniger Stunden die in jahrzehntelanger Arbeit aufgebauten Netzwerke der Sozialisten. Obwohl es nicht die Regel war, dass die Faschisten ihre Gegner gezielt und vorsätzlich tĂśteten, kamen bei diesen Aktionen bis zum Oktober 1922 etwa 3.000 Menschen ums Leben. Meist flohen die fĂźhrenden Sozialisten nach derartigen Angriffen in die grĂśĂeren Städte, wodurch es den alten Eliten leichtfiel, die soziale Kontrolle Ăźber die Arbeiter und Bauern wiederzuerlangen. In einigen Provinzen, etwa in Ferrara, wurden die Arbeiter nach der Zerschlagung der sozialistischen Gewerkschaften gezwungen, in faschistische einzutreten.
Die entscheidende, von den Faschisten konsequent ausgenutzte Schwäche der sozialistischen Bewegung war ihre dezentrale Organisation. Viele Arbeiter waren an eine Ăźber den lokalen Horizont hinausgehende politische Kommunikation und Koordination nicht gewĂśhnt oder verfĂźgten nicht Ăźber die erforderlichen kulturellen und materiellen Ressourcen. Fast durchweg unbewaffnet, waren sie den Ăźberraschend auftauchenden, mobilen und paramilitärisch organisierten Faschisten nicht gewachsen. Auch der PSI war alles andere als eine straff gefĂźhrte Kaderorganisation. Die sozialistischen Organisationen jeder einzelnen Provinz â und nicht selten jeder einzelnen Gemeinde â waren eine âWelt fĂźr sich und konnten einzeln angegriffen werden.âcite-ref-55[55] AuĂerdem war die Partei durch heftige interne Fraktionskämpfe zwischen der reformistischen Rechten, der âmaximalistischenâ ParteifĂźhrung und der radikalen Linken geschwächt. Letztere lĂśste sich im Januar 1921 vom PSI und grĂźndete die kommunistische Partei. Diese Konflikte hemmten auch die Entwicklung verspätet organisierter Selbstverteidigungsformationen wie der Arditi del Popolo.cite-ref-56[56] Der Erfolg der faschistischen Kampagne war daher nachhaltig. Die Zahl der Mitglieder des PSI sank von 216.000 (1920) auf 61.000 (1922), da zahlreiche Lokalorganisationen zerstĂśrt wurden und viele demoralisierte Mitglieder die Partei verlieĂen. Die Mitgliederzahl der Landarbeitergewerkschaft Federterra, deren Organisationsnetzwerk die Faschisten in den Agrargebieten Norditaliens besonders heftig attackierten, sank von Ăźber 800.000 im Jahr 1920 auf etwa 300.000 im Sommer 1922. Während 1920 in der Landwirtschaft 14,1 Millionen Arbeitstage durch Streik verloren gingen, waren es bereits 1921 nur noch 407.000.
Es ist unstrittig, dass Industrielle, Bankiers und GroĂgrundbesitzer die faschistische Bewegung maĂgeblich gefĂśrdert haben. Dies geschah durch groĂzĂźgige Finanzierung oder durch UnterstĂźtzung anderer Art, wie etwa durch die Ăberlassung von Lastkraftwagen, die zum ritualisierten Erscheinungsbild der âStrafexpeditionenâ gehĂśrten. In einigen Fällen wurden die fasci oder deren squadre von lokalen Vereinigungen von Industriellen oder Grundbesitzern Ăźberhaupt erst gegrĂźndet. Dabei setzten diese eigene Vertrauensleute als FĂźhrer ein.cite-ref-57[57] Angesichts der Eindeutigkeit der Quellenlage gibt es kein italienisches Pendant zu der jahrzehntelang mit auĂerordentlicher Heftigkeit gefĂźhrten Debatte Ăźber die FĂśrderung der NSDAP durch deutsche Industrielle. Dieser Zusammenhang wurde schon von Zeitgenossen vielfach vermutet und mitunter nachgewiesen. So schrieb der Präfekt von Mailand, dem bedeutendsten Finanzplatz Italiens und Sitz der faschistischen FĂźhrung um Mussolini am 16. Mai 1921 an das Innenministerium:
âIch kann Ihnen berichten, dass die hiesigen Banken stets besonders groĂzĂźgig mit ihren Subventionen fĂźr die faschistischen Organisationen waren, auch wenn es schwierig ist, die exakten Summen zu nennen, da solche Zahlungen direkt und persĂśnlich von den Vorständen kommen und in Protokollen und Budgets nicht erwähnt werden. Es ist auch wahr, wie weithin angenommen wird, dass nicht nur die Banken, sondern auch Industrielle und Geschäftsleute die Organisationen der Faschisten finanzieren.âcite-ref-58[58]
Sozial rekrutierten sich die squadre mit wenigen Ausnahmen fast durchweg aus dem mittleren und kleinen BĂźrgertum; ihre Mitglieder motivierte vor allem die militante Auseinandersetzung mit den Sozialisten:
âDie squadre waren Gruppen junger Männer vornehmlich bĂźrgerlicher Herkunft, von denen viele im Krieg als Offiziere unterer Dienstgrade gedient hatten. Das waren Studenten und OberschĂźler, SĂśhne von Freiberuflern, lokalen Händlern, Beamten und Grundbesitzern, die mit der antisozialistischen Dynamik des Faschismus sympathisierten. In einigen Gebieten, so in Florenz, besaĂen die squadre auch ein plebejisches Element; hier zogen sie die Herumtreiber und Kleinkriminellen der städtischen Unterwelt an (âŚ). Sie sahen sich selbst als Armee, die auf dem Territorium des Gegners operiert und benahmen sich auch wie eine Besatzungstruppe, die eine feindselige BevĂślkerung zu beherrschen und zu unterwerfen hat.âcite-ref-59[59]
Weniger beachtet wird häufig, dass der liberale Staat und die ihn tragende politische Klasse zwischen 1920 und 1922 auf mehreren Ebenen mit den Faschisten kooperierte. Diese Zusammenarbeit reichte vom Ăberstellen entlassener Offiziere in die fasci und deren weiterer Besoldung Ăźber die Verschleppung und Niederschlagung von Strafverfahren gegen Faschisten bis zum Dorfpolizisten, der bei faschistischen Aktionen aus eigenem Antrieb oder auf Weisung von oben âein Auge zudrĂźckteâ.cite-ref-60[60] Stellenweise gingen Faschisten, Polizei und Armee offen gemeinsam vor, so etwa Anfang März 1921 in Florenz, als es nach der Ermordung des Ăśrtlichen Vorsitzenden der kommunistischen Partei zu Unruhen in den Arbeitervierteln der Stadt kam.cite-ref-61[61] Mitunter waren aktive Polizei- und Armeeoffiziere sowie in der Gemeinde oder der Provinz einflussreiche Liberale zugleich Mitglied eines fascio.cite-ref-62[62] Die von der Regierung dekretierte Entlassung hunderter sozialistischer Stadt- und Gemeinderäte, die zuvor von den Faschisten âabgesetztâ worden waren, honorierte die faschistische Gewalt offiziell. Die von den Präfekten eingesetzten kommissarischen Verwalter waren häufig selbst Faschisten oder sympathisierten mit ihnen.cite-ref-63[63] Die Kooperation, zumindest aber die Passivität von Polizei und Justiz war fĂźr viele Faschisten die stillschweigende Voraussetzung ihrer Aktivität; als sich am 21. Juli 1921 in Sarzana auf Anweisung eines Offiziers einige Carabinieri einer faschistischen âStrafexpeditionâ entgegenstellten, fĂźhrte das zum fluchtartigen RĂźckzug der Ăźberraschten, daraufhin auch von den Einwohnern mit KnĂźppeln und Mistgabeln attackierten Squadristen und zu einer schweren Krise der gesamten Bewegung. Der politische Ausdruck der Zusammenarbeit von Faschisten und Liberalen war die Integration der Faschisten in den blocco nazionale, den von Giolitti fĂźr die Parlamentswahl im Mai 1921 formierten bĂźrgerlichen Wahlblock; die einschĂźchternde Präsenz der Faschisten in den Wahllokalen vieler norditalienischer DĂśrfer und Kleinstädte, die 1919 noch mehrheitlich sozialistisch gewählt hatten, machte bereits diese Wahl in Teilen zur Farce.cite-ref-64[64]
Die erste Welle des squadrismo in den Jahren 1920 und 1921 fĂźhrte zum politischen Durchbruch der faschistischen Bewegung und machte ihren FĂźhrer Mussolini zu einer nationalen politischen Figur. Auch viele der später prominenten Faschisten schufen sich als FĂźhrer des Squadrismus eine eigene regionale Machtbasis: Dino Grandi und der ehemalige Anarchist Leandro Arpinati in Bologna, Italo Balbo in Ferrara, Roberto Farinacci in Cremona, Renato Ricci in Carrara, Dino Perrone Compagni in Florenz, Achille Starace im Trentino usw. Auch in der politischen Symbolik und Mythologie des faschistischen Regimes spielte er eine zentrale Rolle. Dabei verschwanden âdie erbärmlichen Tatsachen hinter dem squadrismo, das polizeiliche Gewährenlassen und die Gelder der Industriellen und Agrarierâ,cite-ref-65[65] hinter der Erzählung von der âRettung Italiensâ durch Mussolini.
Krise der Bewegung und GrĂźndung des PNF
In der explosionsartig angewachsenen faschistischen Bewegung bauten sich nach der Wahl vom Mai 1921 innerhalb weniger Monate erhebliche Spannungen auf. Die von Mussolini vertretenen dominierenden Kräfte in der Mailänder FĂźhrungsgruppe und in der 35-kĂśpfigen Fraktion in der Abgeordnetenkammer waren durchaus bereit, den faschistischen Einfluss langfristig weiter in dem durch den blocco nazionale gesetzten Rahmen auszubauen. Sie sahen sich perspektivisch als Teil eines ânationalenâ Machtkartells, das â zumindest in der Vorstellungswelt Mussolinis â auch den rechten Rand der Sozialisten bzw. die reformistischen GewerkschaftsfĂźhrer einbinden sollte. Diese Richtung bereitete die GrĂźndung einer ânormalenâ Partei vor und empfand die ihrem unmittelbaren Einfluss weitgehend entzogene squadristische Gewalt nun eher als Belastung: Am 2. Juli 1921 erklärte Mussolini in Il Popolo dâItalia, dass in Italien keine âbolschewistische Gefahrâ â mit der das Vorgehen gegen den PSI und die Gewerkschaften gerechtfertigt worden war â mehr existiere. Eine einflussreiche Gruppe faschistischer Extremisten lehnte diesen Kurs jedoch ab. Diese selbsterklärten âRevolutionäreâ â âin praktischen Begriffen auf der extremen Rechten, theoretisch auf der Linken der Bewegungâcite-ref-66[66] â, als deren Sprecher vor allem Dino Grandi und Italo Balbo auftraten, waren besonders eng mit dem groĂagrarischen Konservatismus in Nord- und Mittelitalien verbunden; sie hielten eine vĂśllige und dauerhafte ZerstĂśrung der Arbeiterbewegung fĂźr mĂśglich, lehnten Kompromisse mit den Giolittianern ab und forderten offen eine ânationaleâ Diktatur. Sie hatten häufig bereits damit begonnen, in ihren Einflussgebieten Arbeiter in faschistische Syndikate zu pressen, die ohne die StĂźtze der faschistischen Gewalt sofort wieder zerfallen wären.cite-ref-67[67]
Als Mussolini die Verunsicherung nach den Ereignissen von Sarzana auszunutzen versuchte, um in dieser Frage eine Entscheidung herbeizufĂźhren, brach der Konflikt im August 1921 offen aus. Der von dem neuen Ministerpräsidenten Ivanoe Bonomi vermittelte und von Mussolini gebilligte âBefriedungspaktâ (patto di pacificazione) mit den Sozialisten wurde von fast allen wichtigen FĂźhrern des Faschismus in den Provinzen abgelehnt. Nachdem eine Konferenz der fasci der Po-Ebene in Bologna den Pakt verworfen hatte, erklärte Mussolini am 18. August 1921 seinen RĂźckzug aus dem Zentralkomitee der Fasci di combattimento â ein berechnetes ManĂśver, das seine intendierte Wirkung jedoch zunächst verfehlte und ihn beinahe ins politische Aus befĂśrdert hätte. Balbo, Grandi und der venezianische FaschistenfĂźhrer Pietro Marsich suchten im August zunächst die Verbindung mit Gabriele DâAnnunzio, der aber nicht bereit war, sich an die Spitze der Faschisten zu stellen. Die Krise wurde erst durch einen Ausgleich der Interessen auf dem dritten Kongress der Fasci di combattimento in Rom beigelegt (7. bis 10. November 1921), wo am 9. November 1921 der Partito Nazionale Fascista (PNF) gegrĂźndet wurde.
Mussolini setzte seine Ziele mit der GrĂźndung der Partei nur teilweise durch. Die squadre wurden zwar reorganisiert, aber nicht aufgelĂśst, der âBefriedungspaktâ wurde offiziell aufgekĂźndigt. Der Einfluss des Duce hatte weiterhin klare Grenzen: âMindestens die Hälfte der ParteifĂźhrung bestand aus leitenden Squadristen, und die einfachen Parteimitglieder standen fĂźr gewĂśhnlich loyal zu ihrem lokalen Boss, aber nicht zu Mussolini.âcite-ref-68[68] Die FĂźhrung des PNF hatte zwar das Recht, fĂźr die Gesamtpartei verbindliche politische Positionen zu formulieren, aber offiziell keine MĂśglichkeit, die Personalauswahl unterhalb der nationalen Ebene zu steuern. Die mächtigen Provinzsekretäre sollten nach dem Statut von 1921 von Delegiertenversammlungen der Provinzen gewählt werden, wodurch die Zersplitterung der faschistischen Bewegung in eine Vielzahl kleiner, sich gegeneinander und gegen die Zentrale abschottender provinzieller Machtzentren fixiert wurde. Dieses âdemokratischeâ Element fĂźhrte 1921/22 dazu, dass sich Ăźberwiegend die fĂźhrenden Squadristen die ausschlaggebenden Posten sicherten. Auch das Statut von 1926, das die Wahlämter abschaffte und die Einsetzung des segretario federale durch die Zentrale vorsah, änderte an der Fragmentierung der Parteistruktur nichts.
Programmatisch besiegelte die ParteigrĂźndung den Bruch mit allen noch Ăźbrigen Elementen âlinkerâ Reformpolitik aus der Anfangszeit des Faschismus. Als leitende Grundsätze proklamierte der PNF âOrdnung, Disziplin, Hierarchieâ. Die Partei bekannte sich in âproduktivistischenâ Formeln zum Privateigentum und zu Ăśkonomischer âEffizienzâ, forderte eine Senkung der Staatsausgaben, die Privatisierung Ăśffentlicher Betriebe und eine die Unternehmer begĂźnstigende Steuerreform. Dieser Marktliberalismus war an ein Bekenntnis zur Nation als âhĂśchster Synthese aller materiellen und immateriellen Werteâ und zum autoritären, von einer technokratischen Elite gefĂźhrten Staat als ârechtlicher Inkarnation der Nationâ gekoppelt, das fĂźr demokratische Organisation und Partizipation keinen Raum mehr lieĂ. Ein programmatischer Artikel Mussolinis in der nach dem Parteitag gegrĂźndeten Zeitschrift Gerarchia (âHierarchieâ) stellte den Faschismus wenig später explizit in eine reaktionäre Traditionslinie des Kampfes gegen die âPrinzipien von 1789â.cite-ref-69[69]
Zum Zeitpunkt der GrĂźndung der faschistischen Partei war die Mehrzahl ihrer etwa 220.000 Mitglieder männlich, relativ jung (etwa ein Viertel hatte das Wahlalter noch nicht erreicht) und bĂźrgerlicher bzw. kleinbĂźrgerlicher Herkunft â nach Richard Bosworth âdie faschistischen SĂśhne liberaler Väterâ.cite-ref-70[70] Der Anteil von Industrie- und Landarbeitern soll nach einer von Umberto Pasella veranlassten Untersuchung im Herbst 1921 bei etwa 40 % gelegen haben. Er sank allerdings bis zum Ende der 20er Jahre auf etwa 15 %.cite-ref-71[71] Die Fluktuation in der Partei war hoch, schon 1922 schied etwa die Hälfte der GrĂźndungsmitglieder wieder aus.
Als wesentlich fĂźr die Geschichte des faschistischen Regimes erwies sich, dass die Partei fĂźr zahlreiche Mitglieder von Anfang an nicht nur ein politisches Instrument, sondern in vielleicht noch hĂśherem MaĂe auch eine Quelle von Einkommen und Status war. Bereits vor der MachtĂźbernahme unterhielt der PNF einen beachtlichen Apparat besoldeter Funktionäre, der einen groĂen Teil der Parteifinanzen â die sich wenige Monate nach der ParteigrĂźndung Ăźberwiegend aus einzelnen GroĂspenden von Banken und Industriellen, aber nur zu etwa 40 % aus Mitgliedsbeiträgen und kleineren Spenden speistencite-ref-72[72] â aufzehrte. In diesem Umfeld blĂźhten spätestens nach der MachtĂźbernahme Nepotismus und Korruption, die sowohl fĂźr kleine Funktionäre und Amtsträger vor Ort als auch fĂźr prominente FĂźhrer der Partei eher die Regel als die Ausnahme waren: âItalo Balbo, Anfang 1921 ein mittelloser Ex-Student, war 1924 ein reicher Mann.âcite-ref-73[73] Ganze Provinzorganisationen ähnelten trotz gelegentlicher Inspektionen von auĂen spätestens in den 30er Jahren einer âdubiosen Geschäften und dem Profit gewidmeten camorraâ.cite-ref-74[74] Die endlosen und lähmenden Fraktions- und Cliquenkämpfe, die sich, von Mussolini mehr oder weniger energisch moderiert, nach 1922 auf lokaler Ebene abspielten, waren â obwohl regelmäĂig auf dem Boden der offiziĂśsen Ideologie ausgetragen â im Kern sehr häufig Auseinandersetzungen um Posten, Status und Geld: âDer Kampf um persĂśnliche Positionen wurde wichtiger als die Kommunikation von Ideologie.âcite-ref-75[75] Das war eine schon unmittelbar nach der GrĂźndung erkennbare Ursache fĂźr die âĂźberraschend dysfunktionale Parteiorganisationâcite-ref-76[76] und erklärt zum Teil, warum der PNF nach dem Sturz Mussolinis am 25. Juli 1943 einfach zerfiel.
Aufbau
Mussolini wurde, als er 1922 beim Marsch auf Rom mit einem Putsch drohte, von KÜnig Viktor Emanuel III. zum Ministerpräsidenten ernannt.
FĂźhrerkult
In den Jahren 1924 und 1925 brachen die internen Machtkämpfe offen aus. Mussolini reagierte darauf, indem er zunehmend nicht mehr nur als AnfĂźhrer der Bewegung, sondern als Duce (âFĂźhrerâ) ganz Italiens auftrat. 1925 stellten die âExtremistenâ fĂźr kurze Zeit den Generalsekretär der faschistischen Partei und setzten getreu ihrer Kader-Idee Aufnahmebeschränkungen durch. SchlieĂlich versuchten sie Ende 1925, einen Streik zu organisieren, der sich auch gegen Mussolini wandte.
Nach dessen Scheitern wurden parteiinterne Wahlen abgeschafft und die âExtremistenâ aus wichtigen Positionen entfernt. In den folgenden Jahren scheiterten mehrere Versuche, die alten Eliten sowie Offiziere in die Partei zu integrieren. Der Zulauf kam vor allem aus der Beamtenschaft. Eine Dominanz Ăźber alle gesellschaftlichen Bereiche wie die NSDAP in Deutschland erreichte die faschistische Partei Italiens daher nie.
1925 verbot Mussolini die Sozialistische Partei und antifaschistische Organisationen und schuf mit seinem FĂźhrerkult â dem mussolinismo â ein Modell fĂźr andere faschistische Diktaturen. Der Duce präsentierte sich als Mann des Volkes: Arbeiter, Vater, Sportler, Frauenheld, Soldat, mit Uniform und martialischem Auftreten. Der GroĂmachtanspruch des antiken RĂśmischen Reiches blieb leitende Idee des italienischen Faschismus und fĂźhrte namentlich zum Ăberfall auf Ăthiopien 1935. Ab 1938 verfolgte der Faschismus auch offiziell eine antisemitische Politik, die auch aus eigenem Antrieb entstand, und nicht nur auf deutschen Druck.
Imperialismus
Die Politik des Faschismus zielte darauf ab, Italien als GroĂmacht zu etablieren. Dazu gehĂśrten symbolische Aktionen zur Unterstreichung der Hegemonie (im Sinne Antonio Gramscis)cite-ref-77[77] ebenso wie die Demonstration der Stärke unter anderem mit der Einverleibung weiterer Gebiete an der AdriakĂźste im Zeichen des Irredentismus. Nachdem eine italienische Kommission, die im griechisch-albanischen Grenzgebiet Grenzstreitigkeiten schlichten sollte, ermordet worden war, lieĂ Mussolini der griechischen Regierung ein Ultimatum Ăźbersenden. Als dieses nicht sofort erfĂźllt wurde, wurde die Insel Korfu mitten im Frieden beschossen und mehrere Wochen durch italienische Truppen besetzt (Korfu-Zwischenfall). Der Vertrag von Rom (1924) besiegelte die Annexion der Stadt Fiume an das KĂśnigreich, nachdem der Grenzvertrag von Rapallo bereits 1920 den Dazugewinn von Zara bedeutet hatte.
Vor allem aber sollte sich Italien als die bestimmende Macht im Mittelmeerraum (Mare Nostrum) etablieren und sich als Kolonialmacht behaupten. Bereits 1924 wurde Italien das Jubaland zugeschlagen, um es dafĂźr zu entschädigen, dass es an der Aufteilung des deutschen Kolonialbesitzes nicht beteiligt worden war. Infolge des â mit äuĂerst brutalen Mitteln gefĂźhrten â Abessinienkrieges konnte bis zum 9. Mai 1936 ganz Abessinien erobert werden.
1939 ging Italien das als âStahlpaktâ bezeichnete KriegsbĂźndnis mit dem Deutschen Reich ein. Mussolini proklamierte am 1. September 1939 die âNichtkriegfĂźhrungâ (non belligeranza) Italiens; das angekĂźndigte âentscheidende Gewichtâ (peso determinante) seines Landes warf er aber schon im Juni 1940 in den Kampf, als England und Frankreich der Krieg erklärt wurde.
Als Kriegsziel wurde abermals die Schaffung eines italienischen Imperiums erklärt. Italien wĂźrde sein Territorium auf Nizza, Korsika, Malta, die gesamte KĂźste Dalmatiens mitsamt Albanien, Kreta und weitere griechische Inseln ausweiten. Zu den bisherigen Kolonien wĂźrden Tunesien, Ăgypten (mit Sinai-Halbinsel), Sudan und Teile Kenias hinzukommen, um eine Landverbindung von Libyen nach Ăthiopien sicherzustellen. Auch die Territorien von Britisch- und FranzĂśsisch-Somaliland sowie Teile FranzĂśsisch-Ăquatorialafrikas sollten somit in Besitz genommen werden, mit der TĂźrkei und arabischen Staaten Vereinbarungen Ăźber Einflusszonen getroffen werden. Zudem sollten die strategisch wichtigen StĂźtzpunkte Aden und Perim unter italienische Kontrolle gelangen.
Allerdings war Italien durch die Intervention in Spanien wirtschaftlich und militärisch äuĂerst stark belastet wordencite-ref-78[78]cite-ref-79[79] und Mitte 1939 war Mussolini der Ansicht, dass Italien nicht vor 1943 erneut fĂźr einen Krieg gerĂźstet sein werdecite-ref-80[80].
Die italienischen Operationen waren nicht erfolgreich: Der Angriff gegen das bereits geschlagene Frankreich blieb in den Alpen stecken; die Offensive gegen die Briten in Nordafrika Ende 1940 und der Feldzug gegen Griechenland scheiterten und konnten nur durch das Eingreifen der deutschen Wehrmacht Ăźberdeckt werden. Die neuere Forschung schreibt die desastrĂśsen Ergebnisse vor allem dilettantischer strategischer Planung und maĂloser SelbstĂźberschätzung insbesondere des âDuceâ selbst zu. 1941 nahm ein italienisches Expeditionskorps am deutschen Feldzug gegen die Sowjetunion teil. Gleichzeitig erreichte die Ausdehnung Italiens und seiner kolonialen BesitztĂźmer auch dank deutscher UnterstĂźtzung ihren HĂśhepunkt. Bald darauf scheiterte die letzte deutsch-italienische Offensive in Nordafrika. Die Kette der Niederlagen fĂźr das faschistische Regime setzte sich nun fort: Nach der Kapitulation der Achsentruppen in Tunesien im Mai 1943 eroberten Amerikaner und Briten die Inseln Lampedusa und Pantelleria und landeten im Juli 1943 in der Operation Husky auf Sizilien. Der Traum eines italienischen Imperiums war zerplatzt.
Judenverfolgung
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch in Italien der Antisemitismus, an dem auch die katholische Kirche beteiligt war (Antijudaismus), neu entfacht. Die Stellung der italienischen Juden war während dieses Zeitraumes jedoch als vergleichsweise gĂźnstig zu betrachten. Die Trägerschichten des Risorgimento vertraten vor allem liberale Werte, aus denen die Gleichstellung aller BĂźrger â somit auch der Juden â hervorging. Bei der Ausrufung des KĂśnigreichs Italiens im Jahr 1861 musste zudem nicht auf Interessen der katholischen Kirche geachtet werden, die sich der nationalen Einigung generell widersetzte. Die italienischen Juden, vor allem in den Metropolen Nord- und Mittelitaliens ansässig, bildeten dort grĂśĂtenteils eine urbane, bĂźrgerliche Schicht mit einem vergleichsweise hohen Bildungsniveau. So rĂźckten sie nach der Jahrhundertwende und der Zeit des Fin de Siècle zeitweise als Symbol der Moderne und deren AuswĂźchse in den Fokus. Auch im Umfeld des Italienisch-TĂźrkischen Krieges wurde die Loyalität der italienischen Juden im erstarkenden Lager der Nationalisten angezweifelt. Im Unterschied zum Deutschen Reich jedoch fanden derlei Ressentiments keinen Weg in die politische FĂźhrungsschicht des Landes, die nach wie vor liberal ausgerichtet war.cite-ref-81[81]
Nach der Machtergreifung durch die Faschisten im Jahr 1922 konnten die italienischen Juden ihre gesellschaftliche Stellung halten. Ihnen war es auch nicht verwehrt, dem Partito Nazionale Fascista beizutreten: Etwa zweihundert Juden waren schon beim Marsch auf Rom dabei. Einige von ihnen brachten es zu hohen Ămtern in der Partei, so Aldo Finzi, der 1942 aus der Partei ausgeschlossen wurde, sich der Resistenza anschloss und beim Massaker in den Ardeatinischen HĂśhlen ermordet wurde, oder Guido Jung, italienischer Finanzminister von 1932 bis 1935.
Ăffentlich äuĂerte sich Mussolini zu Rassentheorien und Antisemitismus sehr kritisch. Eine seiner Geliebten, Margherita Sarfatti, war selber JĂźdin. Vor einer Versammlung ausländischer Journalisten erklärte Mussolini im November 1927:
âFaschismus bedeutet Einigkeit, Antisemitismus dagegen Destruktion. Faschistischer Antisemitismus oder antisemitischer Faschismus sind deshalb eine krasse Absurdität. Wir in Italien finden es hĂśchst lächerlich, wenn wir hĂśren, wie die Antisemiten in Deutschland durch den Faschismus an die Macht kommen wollen. Auch von anderen Ländern kommt zu uns die Nachricht, daĂ ein antisemitisch gefärbter Faschismus Boden zu gewinnen sucht. Wir protestieren energisch dagegen, daĂ der Faschismus auf diese Weise kompromittiert wird. Der Antisemitismus ist ein Produkt der Barbarei, während der Faschismus auf der hĂśchsten Zivilisationsstufe steht und dem Antisemitismus diametral entgegengesetzt ist.â
An diesem Standpunkt habe Mussolini konsequent festgehalten, schreibt Hugo Valentin im Jahr 1937.cite-ref-82[82] Aber schon zu Beginn der 1930er Jahre wurden erste Anzeichen eines staatlich verordneten Antisemitismus auch in Italien sichtbar.cite-ref-83[83] Und schon vor der NS-Machtergreifung warben die Nationalsozialistischen Monatshefte z. B. im Mai 1931 fĂźr das im Franz-Eher-Verlag erschienene Buch âDie Revolution des Faschismusâ von Vincenzo Meletti, fĂźr das Adolf Hitler ein Vorwort geschrieben hatte. Das Gesetz Ăźber die israelitischen Gemeinschaften (Legge Falco) brachte nicht nur die Reorganisation der Kultusgemeinschaften mit sich, sondern auch eine verstärkte Kontrolle und Einmischung durch den Staat. Unter anderem sollte der Anteil an jĂźdischen FĂźhrungskräften dadurch beschränkt werden. Dies hinderte Italien vorerst aber nicht daran, aus dem Deutschen Reich geflĂźchtete Juden aufzunehmen bzw. ihre Weiterreise nach Palästina zu ermĂśglichen.
Nach Adolf Hitlers MachtĂźbernahme in Deutschland nahm Italien zahlreiche Juden aus Deutschland auf, die vor den Nationalsozialisten fliehen mussten.cite-ref-84[84] Es kam aber auch in Italien zu einer Reihe antijĂźdischer Publikationen. Faschistische Zeitschriften wie Il Tevere, Giornalissimo, Quadrivio zeichneten sich durch ihren radikalen Antisemitismus aus. Die 2009 verĂśffentlichten Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1932â38 seiner Geliebten Clara Petacci zeigen einen Mussolini, der sich privat sehr antisemitisch äuĂerte.cite-ref-85[85] Im Vorfeld des Abessinienkrieges kam es zu einem weiteren Erstarken des Rassismus. Den Wendepunkt in der Judenpolitik des faschistischen Regimes brachte schlieĂlich das Jahr 1938. Auf Wunsch Mussolinis setzten Wissenschaftler um Guido Landra das Manifest der rassistischen Wissenschaftler (Manifesto della razza) auf, das in den italienischen Rassengesetzen (leggi razziali) gipfelte. Die Juden wurden als auĂereuropäische, unitalienische und deshalb nicht assimilierbare BevĂślkerung definiert.cite-ref-86[86]
Die Juden in Italien (39.000 StaatsbĂźrger und 11.200 Ausländer) wurden fortan registriert und ausgegrenzt. Im September 1938 wurden jĂźdische SchĂźler und Lehrer aus den staatlichen Schulen ausgeschlossen, ab Herbst 1939 häuften sich physische Ăbergriffe auf Juden, von Mai 1942 an waren alle erwachsenen Juden unter 56 Jahren zu Zwangsarbeit verpflichtet, 1943 wurden sie in Lagern interniert.cite-ref-87[87] Als Mussolini im Juli 1943 gestĂźrzt wurde, gab es kaum einen Beruf mehr, den Juden legal ausĂźben durften. Ab September 1943 wurden in der Italienischen Sozialrepublik die Juden enteignet, in italienische Konzentrationslager eingewiesen und dann Ăźber Durchgangslager in die deutschen Vernichtungslager im Osten deportiert. Dabei arbeiteten deutsche und italienische BehĂśrden eng zusammen. Es blieb aber kein Einzelfall, dass sich italienische Militärkommandanten weigerten, an den antijĂźdischen Aktionen der nationalsozialistischen Truppen teilzunehmen.cite-ref-88[88]
Insgesamt wurden etwa 9.000 Juden unter der Herrschaft des Faschismus in deutsche Konzentrationslager deportiert und getĂśtet.cite-ref-89[89]
Siehe auch
:
Italienisches Judentum während des Faschismus (1922â1945)
Absetzung Mussolinis, deutsche Besetzung Italiens und alliierter Sieg
Unter dem Eindruck der verheerenden Niederlagen 1942 und 1943 wurde Mussolini 1943 vom GroĂen Faschistischen Rat, dem faschistischen Exekutivorgan, abgesetzt. Diese Absetzung erfolgte systemkonform mit einfachem Mehrheitsbeschluss, da der Rat die hĂśchste Instanz des faschistischen Staates war. Mussolini wurde inhaftiert. KĂśnig Viktor Emanuel III. Ăźbernahm den Oberbefehl Ăźber die Streitkräfte und beauftragte Marschall Pietro Badoglio, eine Militärregierung zu bilden. Dieser erklärte die faschistische Partei und ihre Gliederungen per Gesetz fĂźr aufgelĂśst.
Das Deutsche Reich versuchte darauf, die Schwarzhemden in Italien wieder an die Macht zu bringen. Am 10. September begann mit dem sogenannten Fall Achse die deutsche Besetzung Italiens. Am 12. September 1943 befreiten deutsche Fallschirmjäger im âUnternehmen Eicheâ mit Lastenseglern den auf dem Gran Sasso von kĂśnigstreuen italienischen Truppen gefangengehaltenen Duce Mussolini. Deutschland errichtete im nordĂśstlichen Teil Italiens eine Marionettenregierung unter Mussolini, die Italienische Sozialrepublik (âRepublik von Salòâ), die am Gardasee residierte. Diese Parallel-Regierung blieb mit Deutschland verbĂźndet, erklärte ihrerseits dem von den Alliierten besetzten Teil Italiens den Krieg und bekämpfte in Mittel- und Norditalien alle Personen und Institutionen, einschlieĂlich Partisanen, die mit der Regierung Badoglio sympathisierten und die Besetzung Italiens durch Hitlerdeutschland ablehnten (siehe Resistenza).
In den folgenden knapp zwei Jahren war vor allem Mittelitalien von den schweren Kämpfen entlang der nur langsam vorrĂźckenden Front â Befreiung Roms am 4. Juni 1944 â lokal zwar unterschiedlich betroffen, aber in vielen Gegenden richteten die Kämpfe heftige VerwĂźstungen an. Viele deutsche Kriegsverbrechen in Italien in diesen Monaten sind belegt. Kommunistische, sozialistische, katholische und liberale Partisanen der Resistenza kämpften dort gegen deren Truppen und mit ihnen verbĂźndete Italiener. Später wurde dieser Kampf vom Gros der Italiener als ânationaler Befreiungskriegâ empfunden. Daneben hat sich auch der aus der ursprĂźnglich neofaschistischen Geschichtsschreibung stammende Begriff des âBĂźrgerkriegsâ etabliert, der in Italien kontrovers diskutiert wird.
Ende April 1945 wurde Mussolini von kommunistischen Partisanen gefangen genommen und am 28. April in Mezzegra am Comer See standrechtlich erschossen.
Am 29. April 1945 kapitulierten die deutschen Streitkräfte bedingungslos.
Gesellschaftliche Verarbeitung
Nach Kriegsende wurde in Italien die Zeit des Faschismus â die Beseitigung demokratischer Strukturen, die Zusammenarbeit mit den deutschen Nationalsozialisten und die aktive Beteiligung an der Vertreibung und Ermordung von einem Viertel der italienischen Juden â vollkommen anders rezipiert und verarbeitet als in Deutschland. Vor allem der Vergleich mit dem deutschen Nationalsozialismus Ăźberdeckte im kollektiven Gedächtnis die eigene Beteiligung an antisemitischen VerfolgungsmaĂnahmen. Teilweise trugen sogar italienische Juden das Narrativ des anständigen Italieners mit und fĂźgten ihre eigenen Erlebnisse in dieses ein.cite-ref-90[90] Ursachen fĂźr diesen differenten Umgang mit dem Faschismus waren nicht nur der im Vergleich zum Nationalsozialismus geringere Wirkungsradius der faschistischen Innen-, AuĂen- und Militärpolitik, sondern auch das Ausbleiben eines internationalen Kriegsverbrecherprozesses wie der NĂźrnberger Prozesse. Diese Entwicklung war wiederum bedingt durch den intern herbeigefĂźhrten Sturz des Regimes, während dieser in Deutschland erst mit Niederlage und Kapitulation erfolgte.
In weiten Teilen der italienischen Gesellschaft, vor allem bei der Linken, Anhängern von Sozialisten und Kommunisten, die sich auf die Tradition der Resistenza und des Partisanenkampfes beriefen, war und ist der Faschismus dennoch geächtet. Aufgrund der starken Rolle der Linksparteien in der Nachkriegszeit galt eine (zumindest rhetorische) eindeutige Verurteilung des Faschismus während der Ersten Republik (1946â1993) daher als gemeinsame GrundĂźberzeugung aller demokratischen Parteien. Seit den einschneidenden politischen Veränderungen der frĂźhen 1990er Jahre wie dem Aufstieg Silvio Berlusconis und der nationalkonservativen, postfaschistischen Alleanza Nazionale hat jedoch eine positive oder eine relativierende Bewertung der faschistischen Vergangenheit an Einfluss gewonnen.cite-ref-91[91]
Heute wird die Person Benito Mussolinis an ihren Wirkungsstätten â dem Amtssitz der von ihm gefĂźhrten Sozialrepublik in Gargnano am Gardasee, der Familiengruft in Predappio oder im Mussolini-Museum in der Nähe von ForlĂŹ â teils von neofaschistischen Gruppierungen mystifiziert und ein Personenkult gepflegt. Die Verherrlichung des Faschismus ist nach geltender italienischer Rechtslage zwar strafbar, zu einer konsequenten Anwendung kommen diese Gesetze jedoch nicht.
Als bekennende neofaschistische Politikerin galt Alessandra Mussolini, die Enkelin des ehemaligen Diktators.
Filmdokumentationen
⢠Fascist Legacy. Vereinigtes KÜnigreich 1989, Regie: Ken Kirby, Sprachen: Englisch, Italienisch.
⢠La guerra sporca di Mussolini / Mussolini's Dirty War. Italien 2008, Regie: Giovanni Donfrancesco, Sprachen: Englisch, Italienisch.
Siehe auch
Literatur
Aufarbeitung
⢠Davide Conti: Gli uomini di Mussolini. Prefetti, questori e criminali di guerra dal fascismo alla Repubblica italiana. Einaudi, Turin 2017, ISBN 978-88-06-21540-8.cite-ref-92[92]
⢠Hans Woller: Die Abrechnung mit dem Faschismus in Italien 1943â1948. De Gruyter, Oldenbourg 1996, ISBN 3-486-56199-5 (online)
Geschichte
⢠Alberto De Bernardi: Una dittatura moderna. Il fascismo come problema storica. 2. Auflage, Mondadori, Mailand 2001, ISBN 88-424-9646-4.
⢠Richard J. Bosworth: Mussolini and the Eclipse of Italian Fascism: From Dictatorship to Populism Yale University Press, New Haven 2021, ISBN 978-0-300-23272-1.
⢠Richard J. Bosworth: The Italian dictatorship. Problems and perspectives in the interpretation of Mussolini and Fascism. Arnold Press, London 1998, ISBN 0-340-67727-9.
⢠Renzo De Felice: Mussolini. Einaudi, Turin 1965â1997 (8 Bde.).
⢠Emilio Gentile: The Italian road to totalitarianism. Taylor & Francis, London 2009, ISBN 978-0-7146-5487-4.
⢠Mario Isnenghi: LâItalia del fascio. Giunti, Florenz 1996, ISBN 88-09-21014-X.
⢠Malte KĂśnig: Faschismus in Italien. Entstehung, Konsolidierung, Zusammenbruch und Aufarbeitung. In: Der BĂźrger im Staat, 60.2 (2010), S. 143â151.
⢠Brunello Mantelli: Kurze Geschichte des italienischen Faschismus. 4. Auflage. Wagenbach, Berlin 2008, ISBN 978-3-8031-2300-8.
⢠Aram Mattioli: Kriegsverbrechen: Der unrichtbare Dritte. In: Die Zeit, Nr. 38/2005.
⢠Aram Mattioli: Libyen, verheiĂenes Land. In: Die Zeit, Nr. 21/2003.
⢠Manuel Mork: Arbeiterwiderstand, faschistische Repression und internationale Solidarität. Eine italienische Provinzstadt im europäischen Fokus 1922 bis 1927, in: Vierteljahrshefte fĂźr Zeitgeschichte 70 (2022) 1, S. 31â62.
⢠Davide Rodogno: Fascismâs European Empire. Italian Occupation during the Second World War. Cambridge University Press, Cambridge 2006.
⢠Denis M. Smith: Modern Italy. A political history. University Press, New Haven CT 1997, ISBN 0-300-07377-1 (frßherer Titel Italy).
⢠Angelo Tasca: Glauben, Kämpfen, Gehorchen. Aufstieg des Faschismus in Italien. (âNascita e avvento del fascismoâ). Edition Promedia, Wien 2001, ISBN 3-900478-12-0.
⢠Nicola Tranfaglia: La prima guerra mondiale e il fascismo. UTET, Turin 1995, ISBN 88-02-04947-5 (Storia dâItalia; 22).
⢠Hans Woller: Rom, 28. Oktober 1922. Die faschistische Herausforderung. Mßnchen 1999.
Soziologische und sozialhistorische Ansätze
⢠Ruth Ben-Ghiat: Fascist modernities. Italy, 1922â1945 (= Studies on the history of society and culture. Band 42). University Press, Berkeley, CA 2001, ISBN 0-520-24216-5.
⢠Mabel Berezin: Making the fascist self. The political culture of interwar Italy. University Press, Ithaca NY 1997, ISBN 0-8014-8420-0.
⢠Victoria De Grazia: The culture of consent. Mass organizing of leisure in Fascist Italy. University Press, Cambridge 1981, ISBN 0-521-23705-X.
⢠Simonetta Falasca Zamponi: Fascist spectacle. The aesthetics of power in Mussoliniâs Italy. Neuauflage. University Press, Berkeley, CA 2000, ISBN 0-520-20623-1 (teilw. Dissertation, Universität Berkeley, 1992).
⢠Emilio Gentile: The sacralization of politics in Fascist Italy (âCulto del littorioâ). University Press, Cambridge 1996, ISBN 0-674-78475-8.
⢠Giorgio Mezzalira, Hannes Obermair (Hrsg.): Faschismus an den Grenzen / Fascismo di confine (= Geschichte und Region/Storia e regione. Band 20/1). Studienverlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2012, ISBN 978-3-7065-5069-7.
⢠Jens Petersen, Wolfgang Schieder (Hrsg.): Faschismus und Gesellschaft in Italien. Staat, Wirtschaft, Kultur (= Italien in der Moderne. Band 2). SH, KÜln 1998, ISBN 3-89498-021-4.
⢠Petra Terhoeven: Liebespfand fßrs Vaterland. Krieg, Geschlecht und faschistische Nation in der italienischen Gold- und Eheringsammlung 1935/36. Niemeyer, Tßbingen 2003, ISBN 3-484-82105-1 (zugleich Dissertation, TU Darmstadt, 2002).
⢠Paola S. Salvatori: La seconda Mostra della Rivoluzione fascista. In: Clio. Band 39, 2003, Nr. 3, S. 439â459.
⢠Paola S. Salvatori: La Roma di Mussolini dal socialismo al fascismo (1901â1922). In: Studi Storici. Band 47, 2006, Nr. 3, S. 749â780.
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Verhältnis zur katholischen Kirche
⢠Giovanni Miccoli: Das katholische Italien und der Faschismus. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. Band 78, 1998, S. 539â566 (PDF).
⢠Alessandro Visani: Il fascismo, la Santa Sede e le leggi razziali del 1938. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. Band 87, 2007, S. 337â354 (PDF).
Verhältnis zum Nationalsozialismus
⢠Maurizio Bach: Die charismatischen Fßhrerdiktaturen. Drittes Reich und italienischer Faschismus im Vergleich ihrer Herrschaftsstrukturen. Nomos, Baden-Baden 1990, ISBN 3-7890-2106-7.
⢠Matthias Damm: Die Rezeption des italienischen Faschismus in der Weimarer Republik (= Extremismus und Demokratie. Band 27). Nomos, Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-8487-0315-9.
⢠Malte KÜnig: Kooperation als Machtkampf. Das faschistische Achsenbßndnis Berlin-Rom im Krieg 1940/41 (= Italien in der Moderne. Band 14). SH, KÜln 2007, ISBN 978-3-89498-175-4.
⢠Sven Reichardt: Faschistische Kampfbßnde. Gewalt und Gemeinschaft im italienischen Faschismus und in der deutschen SA. BÜhlau, KÜln 2002, ISBN 3-412-13101-6 (zugleich Dissertation, FU Berlin, 2000).
⢠Sven Reichardt, Armin Nolzen (Hrsg.): Faschismus in Italien und Deutschland. Studien zu Transfer und Vergleich (= Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus. Band 21). Wallstein, GÜttingen 2005, ISBN 978-3-89244-939-3.
⢠Wolfgang Schieder: Faschistische Diktaturen. Studien zu Italien und Deutschland. Wallstein, GÜttingen 2008, ISBN 978-3-8353-0358-4.
⢠Thomas Schlemmer, Hans Woller: Der italienische Faschismus und die Juden 1922 bis 1945. In: Vierteljahrshefte fĂźr Zeitgeschichte. Band 53, 2005, Heft 2, S. 164â201 (PDF).
⢠Michele Sarfatti: GrundzĂźge und Ziele der Judengesetzgebung im faschistischen Italien 1938â1943. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. Band 83, 2003, S. 436â444 (PDF).
Lokalstudien
⢠Roger Engelmann: Provinzfaschismus in Italien. Politische Gewalt und Herrschaftsbildung in der Marmorregion Carrara 1921â1924 (= Studien zur Zeitgeschichte. Band 40). Oldenbourg, MĂźnchen 1992 (Volltext online verfĂźgbar).
⢠Stefan Lechner: âDie Eroberung der Fremdstämmigenâ: Provinzfaschismus in SĂźdtirol 1921â1926 (= VerĂśffentlichungen des SĂźdtiroler Landesarchivs. Band 20). Wagner, Innsbruck 2005, ISBN 978-3-7030-0398-1.
⢠Maurizio Ferrandi, Hannes Obermair: Camicie nere in Alto Adige (1921-1928). Meran, Edizioni Alphabeta Verlag 2023, ISBN 978-88-7223-419-8.
Belletristik
⢠Beatrice Salvioni: Malnata. Penguin Verlag, 2024, ISBN 978-3-641-29696-4
Weblinks
Commons
: Italienischer Faschismus
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Franz Haas: Der herzensgute MassenmÜrder Mussolini. In: nzz.ch, 8. Mai 2010; abgerufen am 11. März 2015.
⢠Rolf Maag: War Mussolini ein gutmßtiger Diktator? 20min.ch, 4. Mai 2010, abgerufen am 11. März 2015.
⢠Aram Mattioli: Benito Mussolini: Politik der Gewalt. In: Zeit Geschichte Nr. 03/2013, abgerufen am 26. April 2015.
⢠Berthold Seewald: Mussolinis VizekĂśnig verwĂźstete halb Ăthiopien. Welt Online; abgerufen am 11. März 2015.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Elisabetta Brighi: Foreign Policy, Domestic Politics and International Relations. The case of Italy. Routledge, Abingdon (Oxon)/New York 2013, Kapitel Italian foreign policy. The fascist âventennioâ (1922â1943), S. 67â90.
cite-note-22. â Claudio Fogu: ÂŤItaliani brava genteÂť. The legacy of fascist historical culture on Italian politics of memory. In: Richard Ned Lebow u. a.: The Politics of Memory in Postwar Europe. Duke University Press, Durham (NC)/London 2006, S. 147â176, hier S. 147.
cite-note-33. â Siehe Stanley Payne: Geschichte des Faschismus. Aufstieg und Fall einer europäischen Bewegung, Wien 2006, S. 537â560.
cite-note-44. â Eine Kritik der Totalitarismustheorie durch einen fĂźhrenden Faschismusforscher findet sich in Richard J. B. Bosworth: Explaining Auschwitz and Hiroshima. History Writing and the Second World War 1945â1990, London/New York 1993, passim.
cite-note-55. â Bosworth: Mussolini, London 2010, S. 263.
cite-note-66. â Giuseppe Finaldi: Mussolini and Italian Fascism, Harlow 2008, S. 15.
cite-note-referencea-77. â Finaldi: Mussolini and Italian Fascism, S. 15.
cite-note-88. â Siehe dazu zusammenfassend Philip Morgan: Fascism in Europe, 1919â1945, Routledge, London/New York 2003, S. 190â194.
cite-note-99. â Richard J. B. Bosworth: Mussoliniâs Italy. Life under the Dictatorship 1915â1945, London 2006, S. 6.
cite-note-1010. â Zuletzt in deutscher Sprache Griffin, Roger: Palingenetischer Ultranationalismus. Die Geburtswehen einer neuen Faschismusdeutung, in: Thomas Schlemmer, Hans Woller (Hrsg.): Der Faschismus in Europa. Wege der Forschung, MĂźnchen 2014, S. 17â33. Siehe auch den Beitrag von Gentile im gleichen Band, Emilio Gentile: Der âneue Menschâ des Faschismus. Reflexionen Ăźber ein totalitäres Experiment, S. 89â106.
cite-note-1111. â Richard J. B. Bosworth: The Italian Dictatorship. Problems and perspectives in the interpretation of Mussolini and Fascism, London 1998, S. 127.
cite-note-1212. â Bosworth: Italian Dictatorship, S. 21.
cite-note-italian-dictatorship-27-1313. â Bosworth: Italian Dictatorship, S. 27.
cite-note-1414. â Bosworth: Italian Dictatorship, S. 24.
cite-note-1515. â Zitiert nach Richard J. B. Bosworth: Introduction. In: ders. (Hrsg.), The Oxford Handbook of Fascism, Oxford 2010, S. 1â7, hier S. 5 (Hervorhebung im Original).
cite-note-1616. â Passmore, Kevin: The Ideological Origins of Fascism before 1914. In: Bosworth: Oxford Handbook of Fascism, S. 11â31, S. 30.
cite-note-1717. â Exemplarisch fĂźr zahlreiche VerĂśffentlichungen A. James Gregor, Young Mussolini and the Intellectual Origins of Fascism, Berkeley 1979 und (ausgewogener) ders., Mussoliniâs Intellectuals. Fascist Social and Political Thought, Princeton 2005. Gregor bespricht das faschistische Regime als âEntwicklungsdiktaturâ und betrachtet seine Entwicklung bis 1938 durchaus mit Wohlwollen; in der englischsprachigen Forschung war er einer der energischsten Verteidiger Renzo De Felices.
cite-note-bosworth-mussolini-s-111-1818. â Bosworth, Mussolini, S. 111.
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